Bibel
Die Glaubwürdigkeit der Bibel ist für uns ein zentrales Thema. Wir setzen uns für sie auf vielen Ebenen ein (so wurde bei uns z.B. die deutsche Ausgabe der Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel herausgegeben), suchen aber zugleich auch das intensive Gespräch mit andersdenkenden Evangelikalen (s. etwa das Vorwort von Dr. Heinzpeter Hempelmann in Thomas Schirrmacher. Irrtumslosigkeit der Schrift oder Hermeneutik der Demut? VTR: Nürnberg, 2001) und überhaupt mit Theologen anderer Denkrichtungen (z. B. in einer Podiumsdiskussion auf dem Kirchentag in Köln).
Diese Thematik ist für uns grundlegend, bedeutet aber gerade nicht, daß wir unsere Auslegung mit der Offenbarung Gottes verwechseln, sondern, daß wir immer neu bereit sein wollen, von der Schrift und durch andere Schriftausleger korrigiert zu werden – auch in Fragen der Schrifthaltung.
Wir suchen exegetische Methoden, die wissenschaftlich anerkannt sind und die sich mit unserem Verständnis von der Bibel als inspiriertem Wort Gottes vereinbaren lassen. Besonders betonen wir die ‚Hermeneutik‘, also die Frage, wie man die Bibel richtig versteht und nicht mißbraucht. Wir wollen uns immer wieder vergewissern, welchen Weg wir vom Bibeltext zu theologischen Äußerungen und zur Verkündigung gegangen sind. Hier liegen unseres Erachtens auch die wesentlichen Gründe für die oft so widersprüchlichen Aussagen und Lehren im evangelikalen und christlichen Bereich. Wer die Einheit der Christen durch Gespräche über die biblische Botschaft fördern will, muß deswegen über ‚Hermeneutik‘ sprechen.
Ethik und Dogmatik
So sehr wir davon überzeugt sind, daß die biblische Exegese jeder Lehre vorausgeht und jede Dogmatik von der Bibel her hinterfragbar bleiben muß, glauben wir dennoch, daß es eine der herausragenden Aufgaben der Theologie ist, für jede Generation und Situation neu den biblischen Befund zur biblischen Lehre in Dogmatik und Ethik zu formulieren und sich selbst klarzumachen, welchen Weg wir von der Auslegung der Schrift zur Lehre gegangen sind.
Wir sind das theologische Seminar in Europa, daß die größte Zahl an Credits im Bereich Ethik von seinen Studenten erwartet, wofür wir einen eigenen, umfangreichen Ethikkurs entwickelt haben. Dabei spielt die persönliche Ethik ebenso eine große Rolle wie die Ethik in der Gemeinde und die gesellschaftliche Ethik (z.B. Gentechnik, politische Ethik). Unser praktisches Engagement in Sachen Ethik kommt vor allem im Bereich des Lebensrechts, im Bereich der Sterbebegleitung und im Bereich der Menschenrechte zum Ausdruck.
Mission
Der Römerbrief des Paulus ist das systematischste biblische Buch, das aufgrund alttestamentlicher Texte und Lehren eine geordnete Darstellung des Evangeliums bietet. Trotzdem hat Paulus diesen Brief ‚nur‘ geschrieben, um eine Gemeinde für die Weltmission zu gewinnen (Röm 1,1-15; 15,1-17).
"Echte biblische Lehre führt immer zu Evangelisation, Gemeindebau und Weltmission und echte Mission wird immer nach ihrer biblischen Begründung fragen."
Deswegen wollen wir unsere Theologie immer daran messen, wie sie zur Mission steht und ob sie an Gottes Mission Anteil hat. Mission ist also im gesamten Unterricht gegenwärtig. Wir haben aber auch ausführliche Kurse in Missionswissenschaft und integrieren Missionsberichte und aktuelle Nachrichten aus aller Welt in unser Programm. Die deutsche Ausgabe von ‚Operation World‘ ,Gebet für die Welt‘ wird in unserem Seminar erarbeitet. Unser Institut für Religionsfreiheit ist weltweit aktiv und erstellt regelmäßig Berichte zur Lage der Christen in anderen Ländern.
Wir fördern bewußt die Weltmission und jede Art von internationalen Erfahrungen. Unsere Dozenten kommen aus aller Welt, und wir arbeiten mit Hochschulen in den USA., Rumänien, Indien und Australien zusammen. Wir ermutigen zu praktischen Erfahrungen in anderen Kulturen und zum Kennenlernen von Christen anderer Kulturkreise und Denominationen.
"Gemeinde und Praxis der Gemeinde stehen nicht am Ende der Ausbildung, sondern begleiten und durchdringen das ganze Studium."
Hierher gehört auch eine spezielle Konzentration auf den Islam als der neben dem Christentum größten Religion der Welt und Deutschlands. Jeder Student muß einen umfangreichen Kurs über den Islam absolvieren. Unsere Forschungsarbeit zum Islam und unser Studienmaterial zum Islam werden weltweit unter Evangelikalen eingesetzt und als wegweisend angesehen. Durch unser Studienzentrum in der Türkei werden wichtige Erfahrungen vor Ort eingebracht.
Gemeinde
Theologische Ausbildung findet für die Gemeinde statt. Deswegen soll Gemeinde und die Praxis der Gemeinde nicht am Ende der Ausbildung stehen, sondern das ganze Studium begleiten und durchdringen. Gemeindefragen durchziehen deswegen bei uns alle theologischen Fächer. Außerdem wird bei uns der Wert der Ausbildung in der Gemeinde dadurch unterstrichen, daß wir Credits für alle begleiteten Aktivitäten in der Gemeinde vergeben. Jeder Student muß aktiv in einer (oder mehreren) Gemeinde/n mitarbeiten und einer funktionierenden Gemeindeleitung unterstehen.